[10995] Unfallakte Ibbenbühren: Unfall an einer Halbschranke – Abkürzung in den Tod

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Wartezeiten vor Bahnübergängen sind nervig. Richtig gefährlich aber wird es, wenn man glaubt, eine zeitsparende Abkürzung nehmen zu können und sich dabei sogar über Verkehrsregeln hinwegsetzt. Dies ist denn auch die einzige Erklärung für einen schweren Verkehrsunfall mit drei Todesopfern, der sich im Sommer vergangenen Jahres im münsterländischen Ibbenbüren ereignete. Dort war an einem Bahnübergang mit Halbschranke der Mercedes-Benz Transporter einer Familie von einem Nahverkehrszug erfasst und über 300 Meter mitgeschleift worden. Gemeinsam mit der Polizei in Steinfurt und einem Unfallsachverständigen der Dekra analysiert das VOX-Magazin „auto mobil“ am Sonntag (29.01.2012, 17.00 Uhr – 18.15 Uhr) diesen schweren Verkehrsunfall und geht dabei der Frage nach, ob Bahnübergänge mit Halbschranken generell ein höheres Unfallrisiko darstellen.Der Transporter wurde durch den Zusammenstoß regelrecht unter dem Zug begraben. Uns war schnell klar, dass es hier kaum Aussichten gab, noch jemanden lebendig bergen zu können“, beschreibt Detlef Schmitz von der Kreispolizeibehörde Steinfurt die Situation an der Unfallstelle. Sein Kollege Matthias Kölker: „Der Zugführer war völlig zusammengesunken und fertig. Er war nicht einmal vernehmungsfähig“. Wie schnell alles gegangen sein muss, darüber berichten gegenüber der Polizei auch Augenzeugen. „Der Wagen fuhr auf die Schienen, die Lokomotive kam sofort. Es gab einen enormen Knall und der Zug schob den Wagen vor sich her. Und dann flogen Teile durch die Luft“, so Rudolf Schmitz. Seine Lebenspartnerin Christa Dieberitz ist noch heute entsetzt: „Es war ein ganz heftiger Aufprall. Dieses Scheppern, dieses sehr, sehr laute Geräusch. Diesen Unfall konnte niemand überleben“. Weitere Zeugen bestätigen, dass der 57-jährige Fahrer des Mercedes Vans bei geschlossener Halbschranke und blinkendem Warnlicht über den Bahnübergang gefahren ist. Richtig deutlich wird der verhängnisvolle Verlauf des Unfalls aber erst mit Hilfe einer aufwendigen 3-D-Animation, die VOX für die „Unfallakte: Ibbenbüren“ herstellen ließ. Sie zeigt, dass den Fahrer die Verkehrsführung in der Nähe des Bahnübergangs zu seinem waghalsigen Manöver verleitet haben könnte. Dabei bog der Mann nämlich verbotenerweise anstatt nach rechts links über die Gleise ab, wodurch er sich selbst jede Sicht auf den bereits herannahenden Zug nahm. Weil die Opfer aus Ibbenbüren kamen, geht die Polizei davon aus, dass dem Fahrer das Risiko bekannt gewesen sein muss. Zum Verhängnis geriet ihm dabei, dass der Nahverkehrszug bereits unmittelbar nach dem Schließen der Halbschranken eintraf und das Auto beim Überqueren der Gleise erfasste. Mitunter dauert es gerade mal zehn Sekunden, bis am Unglücks-Bahnübergang nach dem Schließen der Halbschranke der Zug eintrifft. So wird exakt 1.290 Meter vor dem Eintreffen des Zuges ein Kontakt ausgelöst, der zunächst zum Aufleuchten der Warnleuchten und dann zum Schließen der Halbschranken führt. Diese schnelle Taktung ist für Unfallanalytiker Dipl.-Ing. Joachim Früh von der Dekra in Münster nicht ungewöhnlich und durchaus im Rahmen gesetzlicher Regelungen. „Es ist ein Spagat, der hilft, Verzögerungen im Verkehrsfluss zu verhindern. Allerdings wird dabei die Vernunft der Autofahrer voraussetzt“, erklärt der Gutachter bei VOX. „Generell ist es bei Halbschranken gewollt, dass die Zeitdauer vom Schließen der Schranke bis zum Ankommen des Zuges sehr gering gehalten wird. Denn je länger der Zeitraum ist, dass jemand vor der geschlossenen Halbschranke steht, desto eher ist er gewillt, die Schrankenanlage zu überqueren“.Unmittelbar nach dem schweren Verkehrsunfall hat die Stadt Ibbenbüren die Verkehrsführung an der parallel zum Bahnübergang verlaufenden Straße geändert. Jetzt kann die Strecke nur noch in entgegengesetzter Richtung und als Einbahnstraße befahren werden. Niemand kann mehr abbiegen und unter den Zug geraten. Doch für die Stadt Ibbenbüren ist das keine wirkliche Lösung, sondern nur ein Kompromiss. Bürgermeister Heinz Steingröver: „Eigentlich muss hier eine Vollschranke kommen. Denn auch zukünftig ist nicht auszuschließen, dass hier Leute verbotswidrig die Halbschranke umfahren und dann ein Unfall passiert“. Doch die Deutsche Bahn AG lehnt den Bau einer Vollschranke aus Kostengründen kategorisch ab. Ihre Argumentation lautet: Bodenloser Leichtsinn und mehrere Verstöße gegen die Straßenverkehrsordnung haben zu dem tödlichen Unfall geführt.

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Eine Antwort auf Unfallakte Ibbenbühren: Unfall an einer Halbschranke – Abkürzung in den Tod

  1. Kleiner Tipp: Dieser Bericht enthält eine wirklich sehr interessante 3-D-Animation, die zeigt, wie leichtsinnig das Verhalten des Autofahrers war und wie schnell dann alles gegangen ist.

    Viele Grüße

    Norbert Böwing

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